Neue Nachbarn freuen sich auf ein neues Leben

Treffpunkt Skateanlage im Frederikspark: Susanne Baltrusch, Jasem Shikh Ahmad, Dr. Susanne Dähn, Yassin Abdulgader und Marc-Mario Bertermann.

 

„Willkommen im Frederikspark“

In Norderstedts nördlichem Stadtquartier Frederikspark finden auch Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten ein neues Zuhause. Ein Team von engagierten Bürgern kümmert sich um die alltäglichen, „typisch deutschen“ Herausforderungen, wie Behördengänge oder die Erklärung des ÖPNV und Preissystems. Das „Willkommen-Team“ gibt Hilfestellung für Menschen, die neu im Land sind und zum großen Teil viele leidvolle Erfahrungen mitbringen. Im Frederikspark startet für sie ein neuer Lebensabschnitt.

Yassin kommt aus Syrien. Noch vor sieben Monaten war der heute 21-jährige dort Chemiestudent. Doch dann hätte er zum Militärdienst gemusst. Er wäre somit direkt in den bewaffneten Konflikt zwischen Regierung, Revolutionären und der IS gekommen – eine lebensgefährliche Zukunft. Seine Alternative hieß: Flucht. Heute ist er in Norderstedt.
„Diese Geschichte ist typisch für viele Menschen, die jetzt und in den kommenden Monaten nach Norderstedt kommen werden. Sie flüchten – aus ihrem bisherigen Umfeld – aus Angst um ihr Leben in ein unbekanntes Land und eine ungewisse Zukunft. Diese Menschen brauchen unsere Hilfe!“, sagt Regina Baltrusch. Seit März 2014, seit sich der Flüchtlingsstrom nach Europa immer stärker abzeichnete, ist sie Gründungsmitglied des Willkommen-Team. Rund 100 Ehrenamtliche betreuen darin aktuell schon 600 Flüchtlinge.

Erklärung des Fahrkartenautomats

„Wir begleiten bei Behördengängen ins Rathaus, helfen bei der Antragsstellung, erklären unser deutsches Leben bis hin zur Mülltrennung“, sagt Baltrusch. Eine der größten Herausforderungen sei die Erklärung des Fahrkartenautomats mit den unterschiedlichen Streckenzonen. Hier seien die Meisten überfordert und kauften anfangs zu teure und falsche Fahrkarten, weiß die Helferin. Viele sprechen weder Deutsch noch Englisch, sondern nur arabisch. Die Grundkenntnisse der deutschen Sprache zu erwerben, ist daher auch die erste Aufgabe der neuen Bewohner in Norderstedts Asylunterkünften.
Yassin hat gerade erst seinen „Aufenthaltstitel“ erhalten. Für zunächst drei Jahre kann er in Deutschland bleiben und ist anerkannter Flüchtling. Nun erst darf er vielleicht sein Studium fortführen oder einen Job annehmen – ein normaleres Leben beginnen. Seine Familie – Vater, Mutter, zwei Brüder, eine Schwester – sind in Antakya in der Türkei – in einem Flüchtlingscamp mit zehntausenden weiteren syrischen Flüchtlingen.

Sport verbindet

Im Frederikspark treiben Yassin und die anderen Jugendlichen viel Sport. Er trifft sich mit dem ebenfalls 21-Jährigen Jasem auf der Skateanlage an der AKN-Strecke. Die EGNO – Entwicklungsgesellschaft Norderstedt hat dem Willkommen-Team jetzt vier Skateboards und vier Scooter sowie Helme und Schutzausrüstung für die jungen Neu-Norderstedter übergeben. „Wir entwickeln das Stadtquartier Frederikspark und deshalb sehen wir unsere Aufgabe nicht nur in der Planung und dem Verkauf von Grundstücken, sondern auch in der Förderung des Gemeinschaftssinns und der guten Nachbarschaft. Diese Sachspende kann dazu beitragen, dass die Skateanlage noch mehr von Kindern und Jugendlichen aus Flüchtlingsländern genutzt wird und der Kontakt zwischen allen sich intensiviert“, sagt Marc-Mario Bertermann, Geschäftsführer der EGNO bei der Übergabe.

Chancen nutzen

Die gute Nachbarschaft möchte auch das Willkommen-Team fördern. Dr. Susanne Dähn, die stellv. Vorsitzende des Vereins, beschreibt es so: „Typisch deutsch trifft typisch arabisch. Natürlich gibt es da viele Unterschiede, aber auch viele Gemeinsamkeiten. Familie, gutes Essen, Grillen sind wichtig – und jetzt fragen Sie für wen? Beide!“ Sich anpassen ist die Herausforderung für die Flüchtlinge, sich einlassen die Chance für uns Deutsche etwas Anderes, manchmal Exotisches, kennenzulernen. „Wir freuen uns über das Engagement der EGNO. Gemeinsam werden wir über weitere mögliche Projekte im Frederikspark sprechen, um die gute Nachbarschaft zwischen vielen Interessensgruppen zu festigen. Die Friedrichsgaber Vereine beispielsweise sind dafür offen und engagiert“, so Dr. Susanne Dähn. Wer mehr wissen möchte oder mithelfen möchte bekommt Kontakt zum Willkommen-Team unter 0162 / 746 14 80 und im Internet unter www.willkommen-team.de

Jasem Shikh Ahmad auf der Skateanlange im Frederikspark in Norderstedt

 

Frederikspark Norderstedt Neue Nachbarn 02

Jasem und Yassin aus Syrien fahren jetzt Skateboard